Meine Zeit im ersten Callcenter

Ich habe vom November 2003 bis Anfang März 2004 trotz meiner ersten Krebserkrankung in einem Callcenter gearbeitet. Das einzig positive, was ich dieser Zeit nur noch abgewinnen kann, ist die Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Michael. Wir haben uns nämlich sehr gut verstanden und auch oft die Pausen miteinander verbracht. Mit seinen Zeichnungen hat er mich oft zum Lächeln gebracht. Ich bin auch des Öfteren mal in der Pause runtergegangen und habe mir etwas in einem Supermarkt gekauft. Wie man das unter Kollegen so macht, habe ich ihm dann auch einmal etwas mitgebracht. Manchmal hat er mir dann auch vorher das Geld gegeben, wenn ich es nicht auslegen konnte.

Ausgehend vom heutigen Tage hat man seinerzeit diese Situation wohl komplett fehlinterpretiert anstatt beizeiten für eine Klärung zu sorgen. Endlich weiß ich, warum ich so viele Träume habe begraben können – nicht durch eigenes Verschulden. Ich habe damals gegrübelt, was da schief gelaufen ist. Auf die Fantasie wäre ich nicht so wirklich gekommen. Dabei hat man Michael und mich doch oft genug beim Pause machen gesehen – scheinbar wohl nicht oft genug. Schade, 19 verlorene Jahre für die es keine zweite Chance gibt. Endlich weiß ich, warum das so ist. Wahrscheinlich war oder ist meine zweite Krebserkrankung überflüssig.

Ich wünsche allen einen schönen Wochenstart. Und bitte passen Sie auf ihre Kollegen auf. Denn wenn man sich mit einem Kollegen besonders gut versteht, wartet vielleicht schon ein anderer mit nicht so guten Absichten auf seine Chance.